Du bist hier: Startseite > Grundlagen > Hormone > Somatotrophes Hormon (STH)

Somatotrophes Hormon (STH)

Das somatotrophe Hormon, das kurz als STH oder (englisch) als HGH abgekürzt wird, fördert das Längenwachstum des Körpers, löst Fetteinlagerungen auf und verhindert, dass sie neu angelegt werden. STH (auch Somatotropin genannt) wird in der Hypophyse produziert und mit dem Blut im gesamten Körper verteilt.

STH fördert die Lipolyse. Das bedeutet, dass um so mehr Fett aus den Speicherzellen des Körpers ausgebaut und in die Blutbahn gebracht wird, je mehr STH im Blut fließt. Zugleich verhindert STH, dass Insulin dieses überschüssige Fett wieder in die Fettzellen zurück lagert, wie es normal wäre. Die so freigesetzten Fettsäuren werden besonders über den Darm ausgeschieden. Allerdings ist eine hohe Konzentration von Fettsäuren im Blut auch immer eine Gefahr: es fördert die Arteriosklerose und steigert dadurch die Gefahr eines Herzinfarktes.

Wichtiger als diese "Entfettung" ist aber das Längenwachstum, das durch STH angeregt wird. Bis zum Alter von etwa 18 Jahren kann der Mensch noch wachsen. Das geschieht dadurch, dass die Knochen nicht, wie beim ausgewachsenen Menschen, von oben bis unten aus Kalk bestehen, sondern dass noch eine Zone existiert, die nicht verkalkt ist. Sie besteht aus einem Material, das man als besonders festen Knorpel beschreiben kann. Diese Zone kann sich erweitern und lagert an ihren Enden, dort wo der "normale" Knochen beginnt, den fehlenden Knochenkalk ein. Dadurch werden die Enden des Knochens auseinander geschoben und der Körper wächst. STH regt das Wachstum dieser Knorpelzone an und fördert dadurch das Längenwachstum des Körpers. Zugleich wird auch die Produktion neuer Muskelfasern angeregt.

Die Wachstumszone der Knochen wird mit dem Ende der Pubertät ebenfalls mit Kalk gefüllt und zu einem ganz normalen Teil des Knochens. Ab diesem Zeitpunkt kann der Knochen nicht mehr länger werden; der Jugendliche ist ausgewachsen. Das STH, das der Körper dann noch produziert, ist so dosiert, dass es mit dem Insulin zusammen arbeitet und dadurch die Menge von Fettsäuren im Blut auf dem richtigen Level hält. Wird es nach diesem Zeitpunkt in großen Mengen ins Blut gebracht (zum Beispiel mit einer Spritze) wird der Körper wieder versuchen, den Knorpel in die Länge wachsen zu lassen. Dadurch ändert sich zum Beispiel auch das Aussehen des Gesichts: der Knorpelteil der Nase verlängert sich, die Nase wird spitzer. Das ist so typisch, dass man daran Athleten erkennen kann, die STH spritzen. Zusätzlich werden diejenigen Osteoblasten (das sind die Zellen, die Knochen bauen) angeregt, wieder Knochenkalk einzulagern, die noch funktionsfähig sind. Osteoblasten sterben nach der Pubertät nicht ab sondern fallen in eine Art Tiefschlaf, um bei Knochenbrüchen und -rissen wieder "geweckt" zu werden und den Schaden zu reparieren. Dadurch wird zwar Knochen gebildet, aber unkontrolliert in die Breite, nicht in alle Richtungen. Dadurch wird das Gesicht breiter und gröber; auch dies ist ein typisches Zeichen für die Einnahme von STH.

Am Rande sei erwähnt, dass die unkontrollierte Wiederaufnahme der Produktion durch die Osteoblasten immer die Gefahr in sich birgt, dass einige dieser Zellen "ausflippen" und ungebremst größere Bereiche verknöchern, die eigentlich nicht dafür vorgesehen waren. So können sich zum Beispiel knöcherne Brücken zwischen den Wirbeln bilden und die Wirbelsäule unbeweglich werden lassen. Im Extremfall kann sogar Krebs ausgelöst werden; das ist allerdings selten.

Mögliche Alternativen zur direkten Gabe von STH, um das Muskelwachstum anzuregen, sind neben dem Training auch intensive Massagen. Sie bewirken eine starke Durchblutung der Muskeln, so dass Stoffwechselprodukte aus dem Bereich zwischen den Zellen ausgeschwemmt werden. Statt dessen wird Platz gemacht für eine bessere Versorgung mit Nährstoffen, die zum Muskelaufbau gebraucht werden. Der Effekt ist also indirekt; ohne Training wird nichts erreicht. Statt dessen wird das Training aber effektiver.

Wer STH braucht, um seine Fettreserven aufzulösen sollte dringend darüber nachdenken, ob er nicht besser seine Ernährung fettärmer gestaltet. Das ist nicht nur frei von Nebenwirkungen, sondern auch erheblich billiger.