Wie wirken eigentlich Hormone?
Grundwissen
Hormone sind also Botenstoffe. Einige von ihnen wirken so, dass die Zellen mehr von dem produzieren für dass sie zuständig sind, also beispielsweise mehr Muskeleiweiße zum Aufbau neuer Muskelzellen. Solche aufbauenden Hormone werden Anabolika genannt. Es gibt auch Hormone, die die Produktion von Stoffen hemmen, also die gegenteilige Wirkung haben. So kann der Körper die aufbauenden und abbauenden Prozesse steuern und ein Gleichgewicht herstellen. Das ist sehr wichtig für den wirtschaftlichen Umgang mit Nährstoffen, den der Körper berücksichtigt.
Auslöser für die neue Produktion von Hormonen können Nervenimpulse sein (wie beim Adrenalin, das in einer Gefahrensituation ausgeschüttet wird und den Körper zu Höchstleistungen befähigt), aber auch andere Hormone, für die die produzierende Zelle Andockstellen besitzt. Außerdem gibt es für jedes Hormon im Körper eine Überwachung, ob die Menge des überwachten Hormons innerhalb eines bestimmten Bereichs liegt, der bei jedem Hormon anders liegt. Wird der untere Grenzwert unterschritten bekommen die Produzenten den Befehl, sofort dieses Hormon auszuschütten, wird der obere Grenzwert überschritten wird der Befehl ausgegeben, sofort alle Aktivitäten einzustellen. Viele Krankheiten, die durch Hormone ausgelöst werden, entstehen, weil diese Grenzwerte im Körper falsch eingestellt sind (der Kropf, zum Beispiel, entsteht durch eine Fehlfunktion der Schilddrüse) oder weil die Grenzwerte überschritten werden, obwohl keine Hormone von den Körperzellen produziert werden sollen. Manche Krebsarten geben Hormone ab, ohne dass der Körper sie angefordert hat oder die Produktion stoppen kann. Dann kommt es zur ungewollten Produktion von Stoffen, die der Körper gar nicht brauchen kann.
Die Zellen, die Hormone produzieren, sind in verschiedenen Organen des Körpers verteilt. Dazu gehören besonders die Nieren, die Nebennieren, die Hoden und die Nebenhoden, die Eierstöcke, die Schilddrüse und die Bauchspeicheldrüse. Aber auch überall sonst im Körper sind solche Hormonfabriken untergebracht; selbst im Gehirn gibt es solche Zellen. Sie alle stellen bei Bedarf neue Hormone her und geben sie ins Blut ab. So werden Hormone in sehr kurzer Zeit im ganzen Körper verteilt und erreichen die Zielzellen, wo immer sie auch liegen. Je nachdem, ob viel oder wenig von dem Hormon im Blut kreist werden viele oder wenig der produzierenden Zellen aktiviert und beginnen mit ihrer Produktion. Doch auch die Zahl der "Andockstellen" ist bei allen Menschen unterschiedlich. Je mehr davon an einer Zelle vorhanden sind, desto eher wird sie einen Boten "einfangen" und mit ihrer Arbeit beginnen. Deswegen reagieren Menschen unterschiedlich stark auf die selbe Menge von Hormonen. Was beim Einen funktioniert erzielt bei einem Anderen überhaupt keine Wirkung. Weil von den Hormonen nur sehr geringe Mengen gebraucht werden, um die gewünschte Wirkung zu erzielen, muß hier sehr genau gearbeitet werden. Dies ist einer der Gründe, warum Hormonpräparate nur vom Arzt verschrieben werden dürfen: er hat gelernt, die richtige Menge zu finden und so die unerwünschten Begleiterscheinungen gering zu halten.
Der Körper hat einen Mechanismus aufgebaut, mit dem er die Zahl der Zellen, die im Körper arbeiten reguliert. Was zuviel ist wird abgebaut. Deswegen kann die künstliche Zufuhr von Hormonen zum Absterben der hormonproduzierenden Zellen führen. Das gilt ganz besonders für besonders hoch dosierte Gaben von Hormonen über eine längere Zeit. Der Körper sagt sich dann: "Es ist ja sowieso was-auch-immer im Blut, also brauche ich nicht noch mehr zu produzieren. Also weg mit den Zellen, die das Zeug herstellen, das sind unnütze Fresser!". Deswegen kann es nach langen Hormonbehandlungen notwendig werden, das Medikament bis zum Lebensende weiter zu nehmen, denn der Körper kann es nicht mehr selbst herstellen. Auch dies wird der Arzt zu verhindern wissen. Und auch deswegen sind Hormone rezeptpflichtig.
Wie viele Hormone im Körper produziert werden ist nicht bekannt. Es gibt nur Schätzungen, die zum Teil sehr weit auseinander liegen. Die meisten Mediziner sprechen von 4.000 bis 6.000 Hormonen. Davon sind etwa 400 bekannt und etwa 50 erforscht. Wir wissen also eigentlich herzlich wenig über sie. Sicher ist allerdings, dass sie alle auf einander einen Einfluß haben. Wenn wir also irgendwo an den Reglern des Körpers schieben, indem wir Hormonpräparate benutzen - egal aus welchem Grund - kommt es immer auch zu Veränderungen an anderen Stellen, die ausgelöst werden, weil die Produktion anderer Hormone beeinflußt wird. Da noch nicht sehr viele dieser Regelkreise erforscht sind kann oft nicht mit Sicherheit gesagt werden, was mit dem Körper passiert und welche anderen Reaktionen, die Nebenwirkungen, auftreten werden. Ein schönes Beispiel dafür ist die Pille, ein Hormonpräparat auf Östrogen-Basis. Sie ist bereits seit 40 Jahren auf dem Markt, aber die Wissenschaftler streiten sich nochimmer, ob sie das Krebsrisiko erhöht oder senkt.
Wenn Du Hormonpräparate nimmst musst Du Dir über diesen Punkt unbedingt im Klaren sein. Niemand kann Dir ehrlich sagen, was mit Dir passieren wird - außer dass Deine Muskeln wachsen, natürlich. Kann sein, dass alles wunderbar läuft und Du ein herrliches Leben mit Deinem Traumkörper führst. Muß aber nicht so sein. So oder so: viel Erfolg!
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