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Der Körper denkt wirtschaftlich

Wann der Körper Muskeln aufbaut

Der Körper des Menschen ist ziemlich sparsam. Er versucht, mit dem, was er bekommt, möglichst lange zurecht zu kommen. Dass wir jederzeit genug (oder zuviel) von Allem essen können, was der Körper braucht, ist erst seit wenigen Jahren so. Darum sorgt die Natur vor.

Der Mensch hat sich in den letzten 300.000 Jahren entwickelt, das Leben auf der Erde seit 3½ Milliarden Jahren. Eine gute, sichere Ernährung ist erst seit etwa 120 Jahren sichergestellt; etwa bis 1880 gab es auch in Deutschland noch Engpässe. Das ist, im Vergleich mit den beiden anderen Zahlen, gar nichts. Unser Körper verlässt sich nicht darauf, dass es so bleibt.

Deswegen ist der Körper darauf geeicht, sparsam mit seinen Vorräten umzugehen. Jede Zelle verbraucht Nahrung, Sauerstoff, Vitamine und vieles mehr. Je weniger Zellen zu versorgen sind desto eher kann der Körper in Notzeiten überleben. Deswegen werden alle Zellen, die nicht benötigt werden, abgebaut. Um zu erkennen, welche Zellen "weg können" und welche bleiben müssen gibt es ein großes Überwachungssystem, das bei produzierenden Zellen (also Drüsen) prüft, ob genug von dem Stoff, den die Zellen produzieren, im Körper ist. Wenn es so ist - wunderbar, dann bleibt alles, wie es war. Wenn zu viel produziert wird, werden so viele Zellen abgebaut, bis die Produktion wieder stimmt. Wird zu wenig hergestellt müssen neue Zellen dafür aufgebaut werden. Deswegen schrumpfen zum Beispiel bei der künstlichen Gabe von Testosteron die Hoden (nein, kein Aberglauben!): dort befinden sich nämlich die Zellen, die Testosteron normalerweise herstellen. Wenn Du es von Außen zuführst springt der oben genannte Mechanismus an und baut diese Zellen ab: es ist ja mehr als genug Testosteron im Blut!

Es geht aber auch umgekehrt: wenn der Level eines Stoffs im Körper nicht ausreicht werden die entsprechenden Zellen vermehrt, bis der Level wieder stimmt. Das betreffende Organ wächst.

Wie funktioniert das mit den Muskeln, die produzieren doch keine Stoffe sondern Kraft? Genau so. Denn auch die Muskeln produzieren etwas: Abfall! Je stärker die Muskeln arbeiten müssen, desto größer ist ihr Stoffwechsel und um so mehr Stoffwechselprodukte entstehen. Der kann wieder gemessen werden; doch diesmal ist die Regelung umgekehrt eingestellt: je mehr Abfall produziert wird desto stärker werden diese Zellen benutzt. Also müssen sie unterstützt werden, indem sie vergrößert und vermehrt werden. Sobald das geschehen ist werden die Überwachungs-Sensoren neu geeicht (mehr Zellen produzieren immer mehr Abfall) und können den neuen Zustand wieder überwachen. Aus diesem Grund ist der Muskelkater nach dem Training ein Zeichen für den Muskelaufbau: er entsteht durch den Anstieg von Abfall im Muskel.



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