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Die anatomische Namensgebung

Eine kurze Anleitung für Nichtmediziner

Haben Dich die schönen lateinischen Namen für Muskeln und Organe auch schon mal neugierig gemacht? Die müssen doch etwas zu bedeuten haben! Jawollja, so ist es! Hier erklären wir das Baukasten-Prinzip, nach dem diese Fachbegriffe zusammen gesetzt sind und geben Dir auch eine Liste der wichtigsten Baukastenteile.

Anatomische Namen bestehen immer aus mindestens zwei Teilen, oft aus drei, manchmal sogar aus vier. Diese Teile sind nach einem einfachen System zusammengesetzt.

Als erstes wird der Körperteil genannt, um den es geht. Das geschieht in den ersten zwei Teilen: der erste Teil nennt die Baugruppe (z.B. Muskeln, Knochen, Adern, Gelenke und so weiter), der zweite Teil sagt, welche Form dieser Körperteil hat oder wo er sitzt (zum Beispiel am Oberarm, am Schädel, auf dem Rücken, an der Lunge). Wenn es in diesem Bereich mehrere Körperteile (also beispielsweise Muskeln) gibt, die gemeint sein könnten, wird noch eine Orts- oder Größenangabe (der Größte, der Vordere...) angehängt. Das ist dann der dritte und (selten) der vierte Teil der Bezeichnung. Fertig.

Manche Körperteile, die im ersten Teil des Namens genannt werden, haben Abkürzungen: M. für Muskel, V. für Vene und dergleichen mehr. Diese Abkürzungen sind unten genannt, Du brauchst sie nur nachzuschlagen. Wenn mehrere Muskeln, Venen etc. zugleich gemeint sind wird die Abkürzung verdoppelt: mm. sind also "mehrere Muskeln", vv. bedeutet "mehrere Venen".

Die wichtigsten Bausteine dieses Puzzles sind in den Tabellen aufgeführt, die Du unten findest. Allerdings sind die Tabellen unvollständig, weil sonst zu viele Übersetzungen nötig wären. Trotzdem solltest Du mit diesen Bausteinen sehr viel übersetzen können.

Körperteile (1. Teil des Namens)

LateinischKürzelDeutsch
ArteriaA.Arterie (Ader, die vom Herzen weg führt)
ArcusBogen
CristaKamm, Vorsprung, verstärkter Rand
DuctusGang, Röhre
Fasciafeste Haut um Muskeln und Organe
FossaGrube, Vertiefung
ForamenLoch, Aushöhlung
LaminaHäutchen
LigamentumLig.Band
MusculusM.Muskel (eigentlich: Mäuschen)
NervusN.Nerv
NodusN.Knoten
OsKnochen
ParsTeil, eins von mehreren
PlexusGeflecht, Knoten
SeptumWand, Trennung

Ortsangaben (2. Teil des Namens)

LateinischKürzelDeutsch
brachialisam Arm
costalisan den Rippen
dorsalisam Rücken
femorisam Bein
hepatisan oder in der Leber
pulmonalisan oder in der Lunge
renalisan oder in der Niere

Richtungen und Größen (3. oder 4.Teil des Namens)

LateinischKürzelDeutsch
anteriorant.vorderer
ascendensaufsteigend
caudaliscaud.unten
descendensabsteigend
dexterdext.rechts (vom Athleten aus, nicht vom Betrachter!)
dorsalisdors.hinten (am Rücken)
externusext.außen, an der Oberfläche
inferiorinf.unterer
internusint.innen, im Körper
lateralislat.seitlich, außen
longitudinalisin Längsrichtung
maximusmax.der Größte
medialismed.innen (nicht seitlich)
mediusmittlerer, zwischen zwei anderen
minimusmin.der Kleinste
posteriorpost.hinterer
profundusprof.tief
sinistersin.links (vom Athleten aus, nicht vom Betrachter!)
superiorsup.oberer
superfiscialissuperfisc.oberflächlich
ventralisventr.vorn, am Bauch


Hinweis: Die in dieser Tabelle genannten lateinischen Bezeichnungen kommen in mehreren Formen vor. Hier habe ich nur die männliche Form genannt, um die Sache nicht komplizierter zu machen als sie ist. Für die richtige Übersetzung reicht es, wenn das Wort, das Du suchst, dem Wort in der Tabelle sehr ähnlich ist.

Auch Krankheiten haben System

Alle Erkrankungen lassen sich in zwei Gruppen einteilen: akute und chronisch.

Bei akuten Krankheiten wehrt sich der Körper aktiv gegen einen Angriff, zum Beispiel von Viren, Bakterien oder schädlichen Stoffen. Er nutzt sein Immunsystem und schickt weiße Blutkörperchen, um Eindringlinge und kranke Zellen zu zerstören und dadurch die Erkrankung zu stoppen. Zusätzlich erhöht er die Körpertemperatur, entweder an der betroffenen Stelle oder gleich im ganzen Körper, denn dann kann das Immunsystem besser und schneller arbeiten. Sobald der Angriff abgewehrt wurde beginnt der Körper, das zerstörte Gewebe zu ersetzen. Es handelt sich also um eine "gesunde" Erkrankung, denn der Körper wehrt einen Angriff ab und ersetzt den entstandenen Schaden so gut es geht.

Wenn der Angriff auf den Körper so stark ist, dass sein Immunsystem den Kampf nicht gewinnt, versucht der Körper, den Schaden so gering wie möglich zu halten. Kranke Zellen werden, wenn möglich, zerstört, aber oft fehlt dem Körper die Energie, sie durch gesunde Zellen zu ersetzen. Dann verschwindet mit der Zeit das betroffene Gewebe. Doch im Körper hat jede Zelle eine Aufgabe. Wenn Zellen fehlen kann der Körper die ihnen übertragene Aufgabe nicht mehr richtig wahrnehmen. Der Schaden steigt also mit der Zeit an, statt repariert zu werden. Solch eine Krankheit wird degenerativ oder chronisch genannt (von griechisch "chronos", die Zeit - also eine Krankheit, die über lange Zeit besteht). Auch chronische Krankheiten können gelegentlich akut werden; dann versucht der Körper, die Erreger noch einmal zu bekämpfen. Manchmal hat er damit auch Erfolg.

Die Mediziner können also alle Krankheiten einer von zwei Gruppen zuweisen. Das machen sie, indem die Namen der Krankheiten unterschiedliche Endungen erhalten: eine -itis ist eine Entzündung, eine -ose ist eine degenerative Erkrankung Vor die Endung wird der Körperteil geschrieben, der betroffen ist; hier kannst Du die erste Tabelle auf dieser Seite heranziehen. Eine Arthritis ist also eine Gelenkentzündung, eine Arthrose ist eine Gelenkdegeneration.

Übrigens: eine "Cellulite" gibt es nicht, auch wenn in der Werbung dieses Wort gerne benutzt wird. Es handelt sich dabei natürlich um eine "Cellulitis", also eine Entzündung von Zellen.

Und weil auch Mediziner eitel sind hat sich noch eine andere Namensgebung entwickelt: man nenne die Krankheit nach dem Arzt, der sie zuerst entdeckt hat. Dazu nehme man das lateinische Wörtchen "Morbus", das in der Übersetzung ganz einfach "Krankheit" heisst (aber viel wichtiger klingt), und füge den Namen des Entdeckers an. So entstehen Namen wie "Morbus Crohn", "Morbus Bechterev" oder "Morbus Alzheimer". Jede dieser Krankheiten könnte man auch mit einer -itis oder -ose bezeichnen, und manchmal geschieht das auch.

Bleiben noch einige häufig gehörte Begriffe zu erwähnen. Ein Trauma ist eine Erkrankung, die durch äußere Einwirkung entsteht. Eine Wunde oder ein Knochenbruch, zum Beispiel. Ein Syndrom ist eine Gruppe von Symptomen, die gemeinsam einen Patienten nerven. So ist die Folge eines Schleudertraumas meist das berühmte Nackenwirbelsyndrom (das mit der Halskrause...). Und ein Symptom ist keine Krankheit, sondern ein Anzeichen einer Krankheit. Wenn Du bei einer Erkältung Fieber bekommst, dann ist das Fieber ein Anzeichen dafür, dass Dein Körper sich gegen die eindringenden Krankheitskeime wehrt. Was deutlich macht, dass es nicht immer sehr klug ist, die Symptome einer Krankheit zu bekämpfen.



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