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Modell und Fotograf

Jeder kann ein Foto von einem Anderen machen: die Kamera auf ihn richten und abdrücken. Darum geht es in diesem Kapitel von BBLex aber nicht. Wir wollen gute Fotos machen. Dafür braucht man nicht nur ein wenig Wissen über Licht, eine Kamera und ein gutes Modell. Ganz wichtig ist, dass Fotograf und Modell das selbe Ziel haben: gute Fotos zu machen, auch wenn das sehr viel Mühe bedeutet.

Ein Teil dieser Mühe steckt in den Vorbereitungen: dem Training, der Suche nach einem guten Platz, dem Sammeln guter Bildideen und Requisiten. Aber etwas sehr Wichtiges und Gewöhnungsbedürftiges kommt noch. In einem Satz: Der Fotograf sagt was zu tun ist, das Modell macht es. Einfach? Nein!

Während eines Shootings muss der Fotograf die komplette "Befehlsgewalt" haben. Wie beim Militär. Nein, noch heftiger. Während der Aufnahmen ist nicht die Zeit für Diskusionen. Das bedeutet, dass der Fotograf genau weiss, was er verlangt, und das Modell muss ihm völlig vertrauen. Für den Fotografen ist das eine große Verantwortung, für das Modell eine schwierige Aufgabe. Aber es geht nicht anders. Lies die folgenden Zeilen sehr genau und überlege, ob Du das kannst. Egal, ob Du der Fotograf oder das Modell bist.

Der Fotograf ist für alles zuständig, was mit dem späteren Aussehen der Bilder zu tun hat. Er ist derjenige, der durch den Sucher schaut und sieht, wie das Bild aussehen wird. Er bestimmt den Bildausschnitt, das Licht, die Pose, selbst die Menge des aufgetragenen Öls. Er achtet auf gut durchblutete, aufgepumpte Muskulatur des Modells und gibt Anweisung zu Liegebeugen, Klimmzügen, Kniebeugen oder was immer er für notwendig hält, um für die nächsten Aufnahmen das Beste aus seinem Modell herauszuholen. Dabei darf er nie mehr verlangen, als das Modell geben kann. Das bezieht sich nicht nur auf Posen oder Training. Du musst immer daran denken, dass Dein Modell sich Dir ausgeliefert fühlt, wenn Du zuviel von ihm verlangst. Du hättest z.B. gerne diese Pose als Rückenakt, aber Ihr habt nichts dergleichen abgesprochen? Dann vergiss es, egal wie gut das Foto wäre. Wenn Dein Modell nur ein einziges Mal das Vertrauen zu Dir verliert, hast Du keine Chance, es noch einmal zu Höchstform zu bringen. Für die bestmöglichen Bilder ist aber genau das unbedingt notwendig. Als Fotograf ist es also Deine Aufgabe, alles aus Deinem Modell heraus zu holen, was möglich ist, ohne es zu überfordern, körperlich oder geistig. Das ist ein sehr schwieriger Drahtseilakt.

Das Modell hat die Aufgabe, sich in körperliche Bestform zu bringen. Das geschieht natürlich in den Wochen vor den Aufnahmen. Wenn die Aufnahmen stattfinden, ist der aktive Teil seiner Aufgabe schon erledigt. Jetzt muss es sich "nur noch" fotografieren lassen, hat nur wenig direkten Einfluss auf die Aufnahmen. Alle Ideen wurden bereits in Gesprächen mit dem Fotografen genannt, alle Posen geübt und alle Requisiten beigesteuert. Jetzt muss der Athlet sich verbiegen, bis er sich blöd vorkommt, minutenlang in unbequemen Posen verharren, bis der Fotograf endlich zufrieden ist, und von den ewigen Kniebeugen hat er sicher noch die ganze nächste Woche Muskelkater. Aber das Schlimmste ist, dass er Befehlsempfänger ist, nur machen soll, was der Fotograf von ihm verlangt. Er war schon ein oder zwei mal sehr entnervt, aber er macht trotzdem weiter. Die Bilder werden bestimmt toll!
Hoffentlich...

Vor den Aufnahmen müssen beide, Fotograf und Modell, unbedingt genau absprechen, was geht und was nicht. Besonders wichtig wird das, wenn Ihr Akte aufnehmen wollt. Während der Aufnahmen kommt es ziemlich sicher zu Situationen, die Ihr nicht geplant habt. Auch dann muss das Modell sich völlig auf den Fotografen verlassen können. Seid deswegen während des Gesprächs offen und ehrlich. Nennt die Dinge beim Namen. Es darf keine Missverständnisse geben.