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Es werde Licht - aber wie?

Licht und Schatten formen den Körper. Dieser Satz, so einfach er zu sein scheint, ist die Grundlage für jedes gute Foto. Das gilt ganz besonders für Aufnahmen von Bodybuildern, denn wir wollen das Relief des Körpers darstellen. Dafür brauchen wir Schatten. Und für Schatten brauchen wir Licht.

Fast jede Kamera hat einen eingebauten Blitz. Der Blitz muss ausgeschaltet werden! Warum? Ganz einfach: Um ein Bild von einem Relief zu zeigen, brauchen wir Schatten, die die Erhöhungen zeigen. Das bedeutet, dass das Licht seitlich auf den Körper fallen muss, weil die Kamera sonst keine Schatten sieht. Bei einem Blitz in oder auf der Kamera kommt das Licht aber von vorne. Alle Schatten fallen von der Kamera weg, der Körper wirkt flach. Das ist genau das Gegenteil von dem, was wir erreichen wollen.

Stellen wir uns mal in den Vorgarten und schauen, was wir machen können: Zunächst brauchen wir Licht von der Seite. Das ist nicht so schwer: wir drehen das Modell so, dass die Sonne von rechts kommt. Dadurch fallen die Schatten nach links (und unten, denn die Sonne steht über uns) - und trotzdem sieht das Ergebnis schrecklich aus. Die Schatten sind so dunkel, dass auf den Fotos nicht mehr zu erkennen ist, wie der Körper dort aussieht. Falls dort im Schatten ein Muttermal oder eine Operationsnarbe liegt, die man nun nicht mehr sieht, kann das Absicht sein. Aber meist sieht es besser aus, wenn die Schatten nicht so dunkel sind. Außerdem achten wir darauf, dass die Sonne auf das Modell scheint, also hinter der Kamera steht. Dadurch muss das Modell in die Sonne blicken. Die blendet natürlich, und das Modell kneift automatisch die Augen zusammen. Das sieht auf den Bildern auch nicht gut aus.

Beide Probleme können wir mit einem einzigen Trick lösen: Zunächst muss das Modell so stehen, dass die Sonne hinter seiner Schulter steht. Das Problem mit dem Blinzeln verschwindet, der Gesichtsausdruck wirkt normal. Außerdem glänzt jetzt das Haar und, besonders wenn das Modell eingeölt ist, die hintere Körperlinie. Das sieht sehr gut aus. Allerdings ist jetzt der Körper beschattet, also zu dunkel und wirkt nicht genügend reliefiert. Das ist leicht zu verbessern, indem man das Modell in die Nähe einer hellen, möglichst weißen, Hauswand stellt. Die Sonne fällt nun von hinten auf die Seite des Modells und auf die Hauswand; die Wand wirft einen Teil des Lichtes zurück auf das Modell. Weil das Licht nun nicht mehr so grell ist sind die Schatten auf dem Körper nicht mehr so dunkel und blendet das Modell nicht. Das ist der Effekt, den wir haben wollten.

Und wenn die Aufnahmen an einer Stelle aufgenommen werden, wo es keine Hauswand gibt? Irgendwo im Wald oder an einem Strand? Auch kein Problem: man nehme einen weißen Bettbezug oder ein anderes großes Tuch, das man am besten nicht mehr braucht. Dann fehlen noch zwei stabile Leisten oder Rundhölzer, die an die Langseiten des Tuches angetackert, genäht oder geklebt werden - fertig. Diese transportable Hauswand wird einfach an passender Stelle in den Boden gerammt und wirkt als Aufheller. Zusätzlich hält das Tuch ein wenig den Wind ab, vor dem das Modell geschützt werden sollte.

Auf Spiegel als Reflektoren solltest Du besser verzichten. Während Tücher das Licht streuen und dadurch die Körperoberfläche weich und natürlich formen erzeugen Spiegel hartes, grelles Licht. Dadurch haben wir das selbe Problem mit den harten Schatten wie bei Aufnahmen in direkter Sonne. Wer an Wasserflächen fotografiert hat nicht nur mit grellem Licht zu kämpfen sondern auch mit unregelmässigen Lichtreflexen durch die Wellen. Das kann gut aussehen, aber meist stört es. Oft ist es besser, Aufnahmen am Wasser zu vermeiden.

Wer im Freien fotografiert sollte übrigens auch auf die Uhrzeit achten. Aufnahmen, die zwischen zwölf und fünfzehn Uhr gemacht werden sind fast immer schlecht. In dieser Zeit steht die Sonne zu hoch. Dann fallen Schatten nicht seitlich sondern von oben auf das Modell. Dadurch wirkt das Körperrelief langweilig.

Der Effekt einer Beleuchtung von unten Nicht nur Licht von oben ist ungünstig, sondern auch Licht von unten. Es kommt in der Natur praktisch nicht vor (außer am Wasser). Darum wirkt es auf den Betrachter ungewohnt, unnatürlich. Das Modell wirkt dämonisch. In Filmen wird dieser Trick oft benutzt, um den Bösewicht besonders übel wirken zu lassen. Ob es im Sinne des Modells ist, sich als "muskelbepackter Unhold" darstellen zu lassen? Eher unwahrscheinlich.

Aufnahmen in Räumen können nach dem selben Prinzip aufgebaut werden: die Sonne kommt durch's Fenster, und Wände sollte es in jedem Raum in ausreichender Zahl geben... Vielleicht kannst Du hinter und über dem Modell noch eine kleine Lampe oder, besser, einen Spot anbringen, damit Haar und Körperlinie glänzen. Mehr künstliches Licht solltest Du nicht verwenden, weil die Bilder sonst einen Rotstich bekommen. Allerdings gibt es spezielle Kunstlichtfilme, mit denen Du diese Farbverfälschung vermeiden kannst. Sie sind aber teurer als die normalen Tageslichtfilme und nicht überall erhältlich.

Wer Schwarzweißfotos statt Farbaufnahmen macht hat diese Schwierigkeit natürlich nicht. Auf der Seite Fotos fürs Internet nenne ich noch einige weitere Vorteile. Hier kannst Du sogar billige Hallogenscheinwerfer anwenden, wie sie in fast jeder Garage, in Ställen oder auf Baustellen genutzt werden (In jedem Baumarkt erhältlich: 500-Watt Strahler mit Stativ für etwa 20 Euro; Stand: Januar 2007). Allerdings erzeugen auch sie sehr hartes Licht. Deswegen solltest Du folgende Punkte beachten:

Foto-Beispiele für Beleuchtungsfehler