Kraftakte - Posing ohne Badehose
Tja, so geht's natürlich auch. Trotzdem gibt es ein paar Dinge mehr zu beachten als bei "normalen" Fotos. Und viele davon haben nicht direkt mit den Aufnahmen zu tun.
Lieber Fotograf, Du bekommst gleich Deinen wichtigsten Hinweis: Du fragst nicht! Es muss immer das Modell sein, das vor Deiner Kamera ohne Slip posieren möchte. Zu leicht fühlt sich der Athlet sonst von Dir bedrängt. Für die Qualität der Fotos ist das aber ein gewaltiger Nachteil, denn Dein Modell geht nicht mit der gleichen Unbefangenheit ans Werk, mit der es arbeiten würde,wenn es selbst gefragt hätte.
Wenn Du Dir als Modell überlegst, ob Du ohne Hose vor die Kamera treten möchtest, dann stelle Dir zuvor unbedingt eine Frage: würde es mir in ein paar Jahren unangenehm sein, die Fotos wieder zu sehen? Wenn nein: habe ich Vertrauen zu meinem Fotografen? Wenn ja: sprich mit ihm, ob Ihr zusammen Akte aufnehmen wollt. Es sind oft besonders gute Fotos, auf die Fotograf und Athlet noch lange stolz sein können, selbst wenn Ihr sie nicht zeigen wollt.
Bei der Aktfotografie kommt es noch mehr auf Details und Genauigkeit an als bei der "normalen" Fotografie. Das liegt an unseren Sehgewohnheiten. Im normalen Leben sehen wir nicht so genau hin - wie oft hast Du schon nach dem Sport in der Dusche gestanden und Dir die Leute dort nicht angeschaut? Das liegt daran, dass wir schon als Kinder lernen, Menschen nicht anzustarren. Besonders dann nicht, wenn sie nackt sind. Bei Fotos ist das aber etwas anderes. Das sind Bilder, nicht Menschen. Die Hemmschwelle fehlt, und schon gehen die Augen auf Wanderschaft. Nun, dafür ist ein Foto ja auch da. Allerdings - wir Menschen sind auch neugierig. Und so wird auf Fotos besonders intensiv betrachtet, was sonst die Kleidung verbirgt. Der Effekt ist übrigens nicht vom Geschlecht abhängig. Neugierig ist jeder. Egal ob er's zugibt oder nicht.
An diesen Wegseh-Effekt muss der Fotograf denken, wenn er den Körper seines Modells einschätzt. Denn was Ihr jetzt überseht entdecken die Betrachter Eurer Bilder. Deswegen, lieber Fotograf, hast Du jetzt einen besonders anstrengenden Job. Denn Du darfst gerade das nicht tun, was Du sonst gewohnt bist: wegsehen! Und der Athlet braucht gerade jetzt, wie schon mehrfach betont, das Vertrauen, diese "peinlichen Blicke" zu ertragen und daraus resultierende "peinliche Anweisungen" tatsächlich auszuführen.
Mit der ersten Abschätzung ist es aber nicht getan. Gewiss, der Fotograf kennt nun die Vor- und Nachteile seines Modells gut, doch während der gesammten Fotosession muss er ständig weiter kontrollieren: von der Pose über das Spiel von Licht und Schatten bis hin zu verschmiertem Öl oder Farben. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Weil das aber meistens lange dauert ist es so wichtig, viele Fotos zu machen. Denn was bei den Aufnahmen übersehen wurde kann auf einem Bild mit einem etwas anderen Blickwinkel oder einer kleinen Drehung des Modells zufällig verdeckt worden sein. Darauf beruht mein Tipp, nur eine kleine Zahl von Fotos zu zeigen: höchstens zwei Bilder pro Film auswählen! Denn so zwingt man sich, trotz der Begeisterung für die eigenen Fotos die Sahnestückchen herauszusuchen. Man selbst ist nicht der kritischste Betrachter seiner Werke...
Wo wir gerade bei den Peinlichkeiten sind: bei einem Athleten, der es nicht gewohnt ist, nackt vor der Kamera und damit im Zentrum des Interesses zu stehen, stellt sich nach der ersten Unsicherheit ein Hochgefühl ein. Er fühlt sich sauwohl! Und das führt fast immer dazu, dass sich etwas reckt, das sonst eher hängt... Wie? Das passiert Dir nicht? Allen Anderen, aber Dir nicht? Glaub das nicht. Bei etwa drei Viertel aller Athleten, die ohne Hose vor meine Kamera traten, kam es zu diesem Effekt. Aber was soll's? Freu Dich doch, dass alles funktioniert! Und ein Fotograf, der sich daran stört, darf eben keine Akte machen. Interessanter ist eigentlich, ob Ihr besprochen habt, was in solch einem Fall geschehen soll. Normalerweise wird der Fotograf solange Aufnahmen vom Kopf und vom Oberkörper machen, bis sich alles wieder beruhigt hat. Man kann natürlich auch ein paar Fotos für die Freundin des Modells machen.
Wenn Ihr nicht nur Akte, sondern auch Fotos mit Kleidung aufnehmen wollt ist die Reihenfolge wichtig, in der Ihr die Aufnahmen macht. Die Regel lautet: Erst die Akte, dann Fotos mit Kleidung aufnehmen! Ein Modell, das im Laufe einer Session "strippt" fühlt sich über lange Zeit unwohl. Das ist sehr schlecht für die Qualität der Fotos. Deswegen ist es besser, den Athleten von Beginn an in die "schlimmste" Lage zu bringen und ihn sich später Stück für Stück ankleiden zu lassen.
Damit der Athlet sich an die Situation gewöhnen kann hat es sich bewährt, zu Beginn einer Aktfotosession nur Porträts und Aufnahmen, die ihn vom Nabel aufwärts zeigen, zu machen. Erst wenn sich das Modell wohl fühlt sollte der Fotograf damit beginnen, den ganzen Körper auf Film zu bannen. Wie lange das braucht? Unterschiedlich von Modell zu Modell. Meist reicht es aber, eine halbe Stunde einzuplanen.
Und noch ein wenig Psychologie für den Fotografen: der Ort, an dem Ihr fotografiert, muss natürlich für den Athleten angenehm temperiert sein. Das ist viel wärmer, als Du zuerst glaubst. Also wirst Du irgendwann schwitzen, weil Du Dich normal angezogen hast. Lege während der Session keine Kleidungsstücke ab! Dein Modell wird es immer, bewusst oder unbewusst, als Anmache verstehen. Dabei ist es völlig gleichgütig, ob Fotograf und Modell vom gleichen Geschlecht sind oder ob Ihr Trainingspartner seid, die sich aus Sauna und Dusche bestens kennen. Wenn jemand nackt vor der Kamera steht fühlt er sich immer verunsichert. Deswegen darfst Du nichts unternehmen, was missverstanden werden könnte. Das zerstört das Vertrauen des Modells, dem Du aber Anweisungen geben musst, die es vertrauensvoll ausführen können soll. Also ist es Dein Pech, wenn Du nicht vorausgedacht hast: lass den Pullover an!
Mehr Tipps für gute Fotos gibt es hier.