Proportionen
Klassische Körperformen
Das ist Geschmacksache, klar. Aber es gibt zwei Geschmäcker: den individuellen, der letzten Endes den Ausschlag gibt, welchen Bereich Du besonders stark trainierst. Und es gibt den allgemeinen Geschmack. Er wird durch die Biologie und die Sehgewohnheiten geprägt. Diese allgemeingültigen Aspekte der Ästhetik wollen wir zuerst betrachten.
Es ist erstaunlich, aber bewiesen: wir alle haben das gleiche Empfinden für Körperproportionen. Das bedeutet: es gibt so etwas wie den idealen Körperbau. Jedenfalls von der Optik her.
Wie ein athletischer Körper aussehen sollte haben seit Jahrtausenden die Künstler zu ergründen versucht. Dabei haben sie festgestellt, dass es zwischen den verschiedenen Umfängen oder Körperlängen ein festes Verhältnis gibt.
Proportionen, die wir nicht ändern können, wollen wir an dieser Stelle nicht weiter beachten. Ein Beispiel: die Künstler wünschen sich den Bauchnabel eines Menschen etwas oberhalb der halben Körperhöhe (Genau: Körperhöhe * 0,54). Schön, wenn's so ist, aber was sollen wir tun, wenn es nicht so ist? Die Beine abhacken? Den Kopf zwischen die Schultern ziehen? Wir können es zur Kenntnis nehmen, aber nicht mehr. Lassen wir die Körperlängen also beiseite.
Mit den Umfängen sieht es schon anders aus. Sie werden durch das Muskeltraining beeinflusst. Natürlich hat auch das Körpergewicht Einfluss auf die Proportionen, aber nicht auf die Verhältnisse zwischen den einzelnen Körperteilen: wenn zum Beispiel der Brustumfang zunimmt sollten zugleich alle anderen Umfänge angepasst werden. Hier ist eine kleine Tabelle, die den Körperteil und sein Verhältnis zum Umfang des Oberschenkel nennt:
| Körperteil | Verhältnis zum Oberschenkel |
|---|---|
| Nacken | 0,710 |
| Brustkorb | 1,850 |
| Oberarm (Bizeps) | 0,667 |
| Unterarm | 0,554 |
| Bauch (am Bauchnabel!) | 1,388 |
| Hüfte | 1,667 |
| Wade | 0,667 |
Also: auf beiden Seiten den Umfang des Oberschenkels an der stärksten Stelle messen, Mittelwert bilden. Dann wird dieser Wert mit der Zahl, die neben dem gewünschten Körperteil in der Tabelle steht, multipliziert. Das Ergebnis ist der Umfang des berechneten Körperteils, wie er ideal wäre.
Nebenbei eine kleine Erlärung: die Tabelle habe ich auf den Umfang des Oberschenkels geeicht, weil er die geringsten Änderungen beim Anspannen macht. Brustkorb und Bauch können durch Einatmen oder "Einziehen" mehrere Zentimeter Unterschied aufweisen. Dann verändern sich auch alle anderen Werte stark. Der Oberschenkel verändert sich am wenigsten, deswegen sind die Resultate genauer.
BBLex verfügt für alle, die sich nicht selber an den Taschenrechner setzen wollen, über einen Online-Rechner, mit dem solch ideale Körperumfänge berechnet werden können. Dabei werden auch die Körpergrösse und das angestrebte Zielgewicht berücksichtigt. So kannst Du ein wenig experimentieren, welche Maße Du für Dich am Besten findest.
Sicherheitshalber sei aber betont, dass diese Zahlen nur ein Hinweis sind, was andere Menschen als ästhetisch und wohlgeformt empfinden! Sie sind keine absoluten Richtlinien! Im Wettkampf-Bodybuilding ist zur Zeit eine andere Philosophie Mode: mehr Masse ist mehr Klasse, heisst es dort; je mehr Bizeps, desto besser. So sind die Profi-Athleten gebaut, die zur Zeit überall zu sehen sind. Aber beachte bitte: das ist eine Mode! Es gibt sie in dieser Form etwa seit Anfang der Achziger Jahre. Die hier vorgestellte klassische Proportionenlehre wird dagegen seit etwa 2.400 Jahren gepflegt.
Ergänzende Artikel im Internet
Wikipdia-Artikel zu den Längenmaßen, die hier beiläufig erwähnt sind.